Arthritis: Wie Homöopathie die Beschwerden lindern kann
Autorin
Alexandra Kuhn
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Heilpraktikerin und Homöopathie-Expertin bei der Deutsche Homöopathie-Union (DHU), tätig im Team Medizin und Wissenschaft.
Morgens nach dem Aufstehen kann Gabriele kaum laufen, weil ihre Gelenke so steif sind. Selbst das Halten der Kaffeetasse fällt ihr schwer, denn ihre Finger sind geschwollen und schmerzen. Häufig fühlt sie sich schwach, wenig beweglich. Keine Frage: Arthritis kann die Lebensqualität stark einschränken. Aber wie entsteht Arthritis überhaupt und kann man ihr vorbeugen? Wir haben hier für Sie die wichtigsten Infos, wertvolle Expertentipps sowie klassische, alternative und homöopathische Behandlungsmöglichkeiten zum Krankheitsbild Arthritis zusammengestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose? Die Frage stellt sich häufig, denn obwohl es sich um unterschiedliche Erkrankungen handelt, werden beide Begriffe oft verwechselt oder gleichgesetzt. Was sicher auch daran liegt, dass die Symptome der Gelenkerkrankungen sehr ähnlich sind. Was ist Arthritis? Diese Krankheit ist immer entzündungsbedingt, weil zum Beispiel eine bakterielle Infektion im Gelenk steckt, was auch als akute Arthritis bezeichnet wird. Eine Autoimmunerkrankung wie Rheuma kann die Entzündung ebenfalls auslösen, weshalb in diesem Fall auch von rheumatischer oder chronischer Arthritis die Rede ist. Sind mehrere Gelenke oder zusätzliche Gewebe betroffen (zum Beispiel Schleimbeutel oder Sehnenscheiden), spricht man von einer rheumatischen Polyarthritis. Frauen leiden dreimal häufiger unter einer rheumatischen Arthritis als Männer und obwohl die meisten Fälle im Erwachsenenalter auftreten, können auch Kinder und Jugendliche betroffen sein.
Im Unterschied dazu ist die Arthrose eine Gelenkabnutzung, die sich erst mit zunehmendem Alter zeigt. Der Verschleiß kann ohne ein bestimmtes auslösendes Ereignis auftreten (primäre Arthrose). Der sogenannten sekundären Arthrose gehen schädigende Ereignisse voraus, etwa Verletzungen oder Gelenksinfektionen.
Eine Arthritis zeigt sich meist durch eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und schmerzende Gelenke. Dabei sind häufig die Finger, Hände und Knie betroffen.
Eine Arthritis beginnt oft schleichend mit harmlosen Beschwerden wie Müdigkeit, Morgensteifigkeit oder geschwollenen Fingergelenken. Wichtig zu wissen ist nun: Welche Symptome hat man bei Arthritis? Folgende Anzeichen weisen darauf hin:
- Die Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt durch schmerzende Gelenke. Dabei sind die Finger besonders häufig betroffen (dabei bleiben die Fingerendgelenke zumeist ausgespart. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium zur Arthrose, bei der häufig auch die Endgelenke betroffen sind). Ebenfalls befallen werden können Hände, Knie sowie die Schultern und Hüfte. Auch Schmerzen am Fuß, an Knöcheln und Zehen können Symptome einer Arthritis sein.
- Weitere Anzeichen für eine Arthritis sind, wenn sich Schmerzen vor allem bei Ruhe oder nachts zeigen. Morgens können betroffene Gelenke steif sein. Typisch sind auch geschwollene, gerötete Partien.
- Bei einer akuten Arthritis treten Schmerzen und Schwellungen sehr plötzlich und punktuell auf, die Patienten können auch Fieber bekommen.
- Schmerzhafte Entzündungsschübe oder chronische Gelenkentzündungen sind Symptome für eine rheumatische Arthritis, auch Gelenkverformungen als Folgeerscheinung sind möglich.
- Ein allgemeines Schwächegefühl und Müdigkeit gehen mit den Entzündungen einher.
Entzündungen in den Gelenken rufen die Schmerzen hervor.
Woher bekommt man Arthritis, ist eine häufig gestellte Frage. Bei den Ursachen unterscheiden Mediziner zwei verschiedene Formen: Hinter der infektiösen beziehungsweise akuten Arthritis steckt meist eine Reihe von Bakterien als Übeltäter, zum Beispiel Streptokokken, Staphylokokken oder Borrelien. Die Erreger verteilen sich über die Blutbahn, greifen die Knochensubstanz an und lösen an den Gelenken Schmerzen oder Ergüsse aus. Bei der rheumatischen Form der Arthritis entstehen die Entzündungen meist durch eine Autoimmunreaktion. Weshalb der Körper seine eigenen Strukturen angreift, ist in der Forschung noch ungeklärt. Diskutiert werden genetische Faktoren, aber auch der Einfluss von Umweltreizen wie beispielsweise das Rauchen. Durch die entzündlichen Prozesse werden Knorpel und Knochen nach und nach zerstört. Das macht die Gelenke instabil und kann zu Fehlstellungen oder Versteifung führen. Sind mehrere Gelenke betroffen, spricht man von einer chronischen Polyarthritis. Neben den Gelenken können auch innere Organe oder die Haut (Psoriasis-Arthritis) betroffen sein.
Dr. med. Anke Scheer
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Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Zusatzbezeichnung Homöopathie, Nürnberg.
Wie stellt man Arthritis fest? Die Diagnose gehört auf jeden Fall in die Hände eines Arztes, die er erst nach einer gründlichen Untersuchung stellen kann.
Die Untersuchung
Wenn sich aus der Anamnese und der körperlichen beziehungsweise klinischen Untersuchung der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis ergibt, wird zunächst eine Blutuntersuchung durchgeführt.
Die Diagnose
Für eine Arthritis sprechen deutlich erhöhte allgemeine Entzündungswerte wie Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktives Protein (CrP). Auch gibt es Blutbildveränderungen: Abnahme der roten Blutkörperchen (Entzündungsanämie), eventuell auch eine leichte Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und der Blutplättchen (Thrombozytose). Weiter kann der Eisenwert erniedrigt und das Speichereisen erhöht sein. Außerdem kann eine Erhöhung bestimmter Eiweiße vorliegen, nämlich der Alpha- und Gamma-Globuline.
Die immunologischen Befunde im Blut: Die Rheumafaktoren sind am Anfang in etwa 40% der Fälle positiv, im Verlauf erhöht sich dies auf 80%. Die ANA (antinukleäre Antikörper) sind in 30% positiv. Weitere Antikörper sind ACPA und Anti-CarP-Ak. Diese immunologischen Befunde treten zwar häufig bei der rheumatoiden Arthritis auf, sind aber nicht für sie spezifisch. Das heißt, dass sie auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Die Laborbefunde müssen deshalb immer im Zusammenhang mit den Symptomen interpretiert werden.
Neben den Laborwerten benötigen wir zur richtigen Arthritis-Diagnose auch bildgebende Verfahren.
Arthro-Sonographie (Gelenksonographie): Hier zeigt sich die Entzündung der betroffenen Gewebe, zum Beispiel der Innenschicht der Gelenkkapsel (Synovialitis), der Sehnenscheiden (Tendovaginitis), der Sehnen (Tendinitis), der Schleimbeutel (Bursitis), Baker-Zysten (Aussackung der hinteren Gelenkkapsel am Kniegelenk) oder auch Knorpel- oder Knochenschäden.
Kontrastmittel-MRT: Hier zeigt sich frühzeitig die Entzündung, Schäden an Knorpel und Knochen und ein Knochenmarksödem.
Röntgenbilder: Sie werden vor allem an Händen/Handgelenken, Vorfüßen und der Halswirbelsäule (HWS) zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung angefertigt. Dreiphasenszintigraphie: Nuklearmedizinische Methode, bei der mittels eines radioaktiven Markers Gelenkentzündungen festgestellt werden.
Synovialanalyse: Mittels einer Gelenkpunktion wird Gelenkflüssigkeit entnommen. Diese wird auf weiße Blutkörperchen und Rheumafaktoren hin untersucht. Auch kann so eine bakterielle Gelenkentzündung ausgeschlossen werden.
Bei Verdacht auf Arthritis wird der Patient zuerst körperlich untersucht. Anschließend wird in der Regel eine Blutuntersuchung durchgeführt.
Die Abgrenzung
Neben einer rheumatoiden Arthritis gibt es Arthritiden, die im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten können, zum Beispiel andere Autoimmunerkrankungen wie Kollagenosen (Entzündung des Bindegewebes), Vaskulitiden (Entzündung der Gefäßwände), Morbus Chron, Colitis ulcerosa (beides entzündliche Darmerkrankungen) oder Psoriasis (Schuppenflechte). Wegweisend in der Therapie ist hier die (bekannte) Grunderkrankung. Diese Aufstellung enthält nur die wichtigsten Differentialdiagnosen und ist damit unvollständig, da das Gebiet so umfangreich ist.
- Es gibt Arthritiden bei bakteriellen Erkrankungen, zum Beispiel rheumatisches Fieber (Streptokokken), Lyme-Arthritis (Borrelien), infektiöse Arthritis (Staphylokokken, Gonokokken), virale Erreger (Hepatitis B/C, HIV, Zika, Röteln).
- Manche Arthritiden unterscheiden sich durch die Verteilung der Gelenkbeteiligung. So ist die Lyme-Arthritis asymmetrisch, fast immer sind die Kniegelenke betroffen, dafür fast nie die Fingergelenke.
- Die Psoriasis-Arthritis kann sehr unterschiedliche Erscheinungsformen haben: Es kann ähnlich wie die rheumatoide Arthritis zu einer symmetrischen Polyarthritis kommen (20% der Betroffenen) oder eine asymmetrische Oligoarthritis auftreten. Oft sind auch die Fingergelenke betroffen. Bei der Psoriasis-Arthritis kann auch die Wirbelsäule beteiligt sein (axiale Spondyloarthritis).
- Eine andere Arthritis-Form ist die Gelenkentzündung der Wirbelsäule und des Kreuzbeins. Eine Sonderform ist die ankylosierende Spondylarthritis (M. Bechterew), bei der es zu einer zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule mit entsprechender Bewegungseinschränkung kommt.
- Die juvenile Arthritis befällt Kinder und Jugendliche, die jünger als 16 Jahre sind. Diese ist in ihrem Erscheinungsbild sehr unterschiedlich. Es gibt den Befall vieler Gelenke (Polyarthritis), einiger Gelenke (Oligoarthritis), mit oder ohne Entzündung von Sehnen und Sehnenscheiden.
- Aktivierte Arthrosen verursachen starke Gelenkbeschwerden, besonders an den Fingerendgelenken (Heberden-Arthrose) und den Fingermittelgelenken (Bouchard-Arthrose) und dem Daumensattelgelenk (Rizarthrose). Neben den Unterschieden in der Gelenkverteilung geben hier auch Laborwerte und Röntgenbilder Aufschluss über die Erkrankungsursache.
Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine nicht-entzündliche Erkrankung mit Schmerzen in verschiedenen Körperregionen.
Die Behandlung der ähnlichen Erkrankungen
Zunächst einmal ist die Behandlung der Grundkrankheit wesentlich. Die Behandlung der Gelenksymptome ist - im Allgemeinen - ähnlich: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Kortikoide, Immunsuppressiva usw.
Welchen Facharzt sollte ich als Patient mit Arthritis aufsuchen?
Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der die ersten klinischen und Laboruntersuchungen macht. Wenn sich der Verdacht bestätigt, ist ein Rheumatologe hinzuzuziehen. Dieser führt die speziellen Untersuchungen durch und übernimmt die Einstellung der medikamentösen Therapie.
Über unseren Expertenfinder finden Sie schnell Homöopathie-erfahrene Behandler und Apotheken in Ihrer Nähe.
Dr. med. Anke Scheer
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Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Zusatzbezeichnung Homöopathie, Nürnberg.
Der Verlauf
Wie lange dauert eine Arthritis? Fakt ist: Rheumatische Arthritis ist nicht heilbar. Daher ist das Ziel der Behandlung, dass die Entzündungsprozesse nahezu vollständig abklingen und Beschwerdefreiheit erreicht wird (klinische Remission). So sollen bleibende Schäden an den Gelenken verhindert bzw. aufgehalten werden.
Die Prognose
Im Vordergrund steht die medikamentöse Therapie. Spricht der Patient darauf gut an, kann die Dosierung der Medikamente im Verlauf reduziert werden. Die Möglichkeit des völligen Absetzens der Medikamente nach Erreichen der klinischen Remission wird zurzeit erforscht. Gegenwärtig wird aber in aller Regel eine lebenslange niedrigdosierte Basistherapie als Rezidivprophylaxe durchgeführt.
Wie lange dauert in der Regel die Behandlung der Arthritis?
Lebenslang. Wenn die Behandlung gut anschlägt und der Patient seine Lebensführung dauerhaft anpasst, kann im besten Fall eine klinische Remission eintreten. Damit ist das Abklingen der Entzündungsaktivität und Gewebszerstörung gemeint - die Erkrankung kommt zur Ruhe.
Die Komplikationen
Folgende Komplikationen können auftreten:
- Gelenkzerstörung und -fehlstellung: zum Beispiel Schwanenhals- und Knopflochdeformität der Finger, seitliche Achsabweichung der Finger (Ulnardeviation), Fehlstellung des ersten und zweiten Halswirbels mit der Gefahr der Rückenmarksverletzung.
- Muskelabbau und -verkürzung an den betroffenen Gelenken
- Herz: Entzündung von Herzbeutel (Perikarditis) und Herzmuskel (Myokarditis), Herzklappenveränderungen (diese sind in 30% ohne Symptome)
- Lunge: Entzündungen des Rippenfells, der kleinen Bronchien (Bronchiolitis), chronische Bronchitis (COPD), Lungenfibrose, Rheumaknoten in der Lunge, Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie)
- Leber: unspezifische Enzymerhöhung
- Nieren: selten Entzündung des Nierengewebes
- Augen: Entzündung von Bindehaut und Skleren
- Gefäße: Entzündung der Gefäßwände, vorzeitige Arteriosklerose
- Störungen im Immunsystem: als Folge der Erkrankung und der medikamentösen Therapie (siehe unten)
- Osteoporose: als Folge der Erkrankung und der medikamentösen Therapie
Lassen sich diese Komplikationen gut behandeln?
Entscheidend ist der Rückgang der Entzündungsaktivität. Damit können Gewebsveränderungen vermieden werden. Auch ist eine effektive Medikation mit möglichst geringer Dosierung hilfreich, um die Nebenwirkungen der Medikamente gering zu halten.
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Stefan Reis
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Stefan Reis praktiziert seit 1987 als Heilpraktiker mit eigener Praxis. Er ist von der Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ) zertifizierter Therapeut, Dozent und Supervisor. Sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen gibt er in seiner Homöopathieschule, in Seminaren und als (Mit-) Herausgeber von Fachliteratur weiter.
Arthritis natürlich behandeln: Bei der homöopathischen Therapie müssen die individuellen Symptome eines jeden Krankheitsfalles genau betrachtet werden, um eine dazu passende Arznei verordnen zu können. Dabei spielen die subjektiven Beschwerden die größte Rolle, die seitens des Behandlers möglichst detailliert erfragt werden. Bitte bringen Sie zu Ihrem Termin auch ärztliche Untersuchungsergebnisse, Laborwerte und eine Auflistung der verordneten Medikamente mit.
Für die Wahl eines hilfreichen homöopathischen Arzneimittels ist beispielsweise die Beantwortung folgender Fragen wichtig:
Seit wann leiden Sie unter Gelenkentzündungen? Wurde bei Ihnen eine Krankheit wie Rheuma, Psoriasis oder Gicht diagnostiziert oder ist Ihnen ein anderer Grund für die Beschwerden bekannt, vielleicht eine bakterielle Infektion?
Welche Gelenke waren beziehungsweise sind von Entzündungen betroffen? Gab oder gibt es mögliche Auslöser für die Entzündungen?
Bei Schmerzen beschreiben Sie bitte die Art: Handelt es sich um stechende, brennende, drückende, reißende, pulsierende oder anders geartete Schmerzen?
Gibt es sichtbare Veränderungen an den betroffenen Gelenken, wie zum Beispiel Schwellung, Rötung oder Überwärmung?
Was bessert, was verschlimmert die Schmerzen? Denken Sie an den Einfluss von Druck, Bewegung, Reiben (Massage), Wärme oder Kälte und sonstige Einwirkungen.
Darüber hinaus möchte der Homöopath erfahren, ob noch weitere Beschwerden mit der Gelenkentzündung verbunden sind. Hierzu gehören Bereiche, die mit der Krankheit auf den ersten Blick wenig zu tun haben, wie zum Beispiel ein gestörter Schlaf, veränderter Durst oder Appetit, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Hautleiden oder auch die psychische Verfassung.
Dazu kommen die objektiven Befunde, die man bei der Untersuchung erhebt. All dies zusammen ergibt das vollständige Krankheitsbild, anhand dessen der Homöopath eine passende Arznei auswählt. Nach dem Selbstverständnis der Homöopathie ist es Ziel der homöopathischen Behandlung, den erkrankten Organismus bei der Selbstheilung zu unterstützen und so die Beschwerden zu lindern.
Nutzen Sie unseren Selbstbeobachtungsbogen und vermerken Sie darauf schnell und einfach Ihre Beschwerden. So kann Ihr Gesundheitsexperte das individuell passende Mittel noch besser finden. Und Sie sind perfekt fürs Gespräch in der Apotheke, beim Arzt oder Heilpraktiker vorbereitet.
Dr. med. Anke Scheer
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Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Zusatzbezeichnung Homöopathie, Nürnberg.
Wenn die Diagnose Arthritis steht, wie sieht dann die konventionelle Behandlung aus?
Ziel ist ein rascher Therapiebeginn, um die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten oder wieder herzustellen.
Als Basistherapeutikum wird Methotrexat (bei Kontraindikationen Leflunomid oder Sulfasalazin) eingesetzt. Die Wirkung tritt meist erst nach Wochen bis Monaten ein. Deshalb werden anfänglich in der Regel Glukokortikoide (Cortison) gegeben, bis die Basistherapeutika wirken. Dann werden sie langsam wieder abgesetzt.
- Schmerzmittel (NSAR) werden nur kurzfristig zur symptomatischen Schmerzbehandlung gegeben.
- Injektion von Entzündungshemmern oder radioaktiver Substanzen in einzelne Gelenke zur Schubbehandlung.
- Synovektomie: Operatives Entfernen der Innenschicht der Gelenkkapsel, also dem Gewebe, das die meiste Entzündungsaktivität hat.
- Rekonstruktive Chirurgie und rechtzeitiger prothetischer Gelenkersatz.
- Patientenschulungen verbessern das Krankheitswissen der Patienten, verändern in günstiger Weise die Einstellung zur Krankheit und wirken sich positiv auf das Krankheitsverhalten aus. Langfristig zeigen sich zum Teil eindrucksvolle Veränderungen im allgemeinen Gesundheitsverhalten.
- Rehabilitationsmaßnahmen, Selbsthilfegruppen.
Risikofaktoren und Komplikationen der Therapie
- Durch die Basistherapeutika und Immunsupressiva besteht ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. Deshalb sind eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge und das Meiden von starker UV-Belastung wichtig.
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Medikamentenbedingt besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für bakterielle und virale Erkrankungen. Dies beinhaltet auch ein erhöhtes Risiko für Infektionen im Zusammenhang mit Operationen.
- Medikamentenbelastung von Lunge, Leber, Niere.
- Medikamentös bedingtes erhöhtes Risiko für Osteoporose und Infektionen.
Risikofaktoren für einen ungünstigen Verlauf sind
- Beteiligung vieler Gelenke
- hohe Laborwerte (Entzündungswerte, Antikörper)
- Rauchen
- Rheumaknoten
- Adipositas/Übergewicht
Wie gehen Sie als homöopathische Ärztin an die Behandlung heran?
In der konventionellen Abklärung ist das Typische der Rheumaerkrankung in Bezug auf die Symptome, die Laborbefunde usw. wichtig. Die homöopathische Arbeit mit dem Rheuma-Patienten setzt einen anderen Schwerpunkt. Hier ist das Individuelle in der Erkrankungsäußerung das Wesentliche. So hilft den meisten Patienten bei einer akuten Gelenkentzündung eine Kälteanwendung. Erfährt der Patient aber mit einer Wärmebehandlung Besserung, ist dies etwas Eigentümliches, das einen Hinweis auf die erforderliche Arznei gibt. Neben den speziellen Symptomen des Rheumas sind auch weitere Symptome, das Allgemeinbefinden und Vorerkrankungen wichtig. Auch die Erkrankungen der Familie sind heranzuziehen. Hieran zeigt sich eine mögliche familiäre Belastung für bestimmte Arten von Krankheiten, was wiederum ausschlaggebend für die Auswahl des Arzneimittels ist.
Die homöopathische Arzneitherapie zielt auf eine Stärkung der Regulationsfähigkeit des Organismus. Im Behandlungsverlauf kann es notwendig sein, das Arzneimittel zu wechseln. Insgesamt ist mit einer mehrjährigen Behandlungsdauer zu rechnen. Eine Kombination mit der konventionellen Therapie ist problemlos möglich. Durch den unterschiedlichen Behandlungsansatz ergänzen sich die Effekte positiv. Durch die Stärkung der Regulationsfähigkeit ergeben sich günstige Effekte auf das Immunsystem.
Auf was muss der Patient mit einer Arthritis besonders achten?
In der allgemeinen Lebensführung (Ordnungstherapie) gibt es viele Möglichkeiten, seine Gesundheit zu fördern. Für Rheumatiker sind neben der Ernährung und der Bewegung auch das Nichtrauchen, die Zahnhygiene und das generelle Stressmanagement wichtig.
Ernährung
Zu einer „entzündungshemmenden“ Kost zählen
- erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Fischöl, Kapseln) und hochwertiger Pflanzenöle wie Lein-, Raps-, Weizenkeim-, Soja- und Walnussöl
- reichlich Obst und Gemüse, frische Kräuter, Nüsse
- Gewürze wie Ingwer, Curry, Kümmel und Knoblauch
- Vollkornprodukte
- ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinken (mindestens 1,5 Liter am Tag)
Meiden sollte man
- Fleisch- und Wurstwaren, vor allem „rotes Fleisch (Rind, Lamm, Schwein)
- wenig gesättigte Fettsäuren (Milchprodukte)
- wenig Weißmehlprodukte und Zucker
- wenig Fertiggerichte, lieber selbst frisch zubereiten
Bewegung
Bewegung ist wichtig, um Muskelverkürzungen (Kontrakturen) und Muskelschwund (Atrophie) zu vermeiden und die Gelenke beweglich zu halten. Allerdings ist es ungünstig, die Gelenke überanzustrengen. Die richtige Devise ist: Gelenke fordern, aber nicht überfordern.
Geeignete Aktivitäten sind zum Beispiel Wassergymnastik, Trockengymnastik, Nordic-Walking, Yoga. Auch ein täglicher Spaziergang ist sehr hilfreich, es reichen schon 30 Minuten täglich. Empfehlenswert ist auch ein individuell abgestimmtes Krafttrainingsprogramm.
Jede dieser Bewegungsmöglichkeiten hat noch einen zusätzlichen Effekt, da es sich positiv auf die Psyche auswirkt.
Was hilft noch?
- Raucherentwöhnung: Rauchen ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis. Fortsetzen des Nikotinkonsums beeinflusst den Verlauf ungünstig.
- Gute Mundhygiene, Behandlung von Entzündungen des Zahnfleisches (Parodontitis) und Zahnherden. Denn diese Beschwerden können entzündlich-rheumatische Prozesse beeinflussen.
- Stressabbau: Stress verursacht nachweislich entzündliche Prozesse im Körper, da die Produktion von entzündungsfördernden Signalstoffen angeregt wird. Eine individuelle Stressbewältigungs-Strategie kann helfen, diesen Faktor zu minimieren.
Welche Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel aus den Naturheilverfahren könnten noch in Frage kommen?
Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)
Mit verschiedenen Pflanzenheilmitteln lassen sich die Beschwerden einer rheumatischen Arthritis lindern. Für die innere Einnahme stehen Tees und Extraktpräparate (meist in Kapselform) zur Verfügung. Äußerlich können Heilpflanzen in Form von Salben, Umschlägen und Badezusätzen angewandt werden.
Bewegungstherapie
Ziel ist die rasche Wiedererlangung beziehungsweise der Erhalt der Bewegungsfähigkeit, um Kontrakturen und Muskelatrophien (Muskelabbau) zu vermeiden. Eingesetzt werden vor allem die Physiotherapie inklusive der manuellen Therapie und die Ergotherapie.
Physikalische Therapie
Im akuten Stadium lokale Kältebehandlung, zum Beispiel gefrorene Gelpackungen, Eispackungen, Kaltwasserbäder, Eiswasserwickel, Quarkwickel.
Nach Abklingen der akuten Phase können Elektrotherapie zur Schmerzlinderung, manuelle Lymphdrainage bei gelenknahen Schwellungen und feuchte Wärme (heiße Rolle) zur Lockerung schmerzhaft verspannter Muskulatur eingesetzt werden.
Die Hydrotherapie nutzt Eigenschaften des Wassers, um rheumatische Beschwerden zu lindern. Zum Einsatz kommen Bäder, Güsse, Packungen und Umschläge – meist mit schwefelhaltigen und radonhaltigen Wässern sowie Heilerden und Heilschlämme mit unterschiedlichen Temperaturen. Die Temperatur und die chemischen Hautreize aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers. Trinkkuren spielen in der Rheuma-Behandlung hingegen eine untergeordnete Rolle.
Komplementäre oder alternative Behandlungsmöglichkeiten
Mit TCM, Ayurveda, Osteopathie, Homöopathie kann ein Arzt die Behandlung des Erkrankten individuell unterstützen und natürlich behandeln, indem die allgemeine Regulationsfähigkeit verbessert, das Immunsystem gestärkt wird und die körpereigenen Heilungskräfte aktiviert werden.
Das für Sie individuell passende Mittel finden
In der Homöopathie wird die Mittelauswahl so genau wie möglich auf den individuellen Menschen und seine jeweilige Gesundheitssituation abgestimmt. Fundiert homöopathisch ausgebildete Fachkräfte beraten Sie optimal und können auch auf Möglichkeiten und Grenzen bei der Behandlung hinweisen.
Aufgrund der großen Bandbreite an homöopathischen Mitteln sowie der traditionellen, erfahrungserprobten Anwendungsgebiete der einzelnen Mittel (oft ein gutes Dutzend oder mehr) macht eine pauschale Nennung nur eines Mittels oder Anwendungsgebietes bei der entsprechenden Indikation wenig Sinn.
Nutzen Sie die Therapievielfalt und das Fachwissen Ihrer Gesundheitsexperten: Fragen Sie Ihre naturheilkundlich orientierte Ärztin, Ihren Heilpraktiker oder Ihren Apotheker nach der für Sie passenden Behandlung von Arthritis mit Homöopathie!
Naciye Arslanoglu
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Naciye Arslanoglu ist Apothekerin und Expertin für Homöopathie und Naturheilkunde aus Nagold.
Eine Arthritis äußert sich vor allem durch Gelenkschmerzen. Sie kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Am weitesten verbreitet ist die chronische Polyarthritis, die viele Gelenke gleichzeitig befällt. Sie beginnt schleichend mit Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit und Schwellungen. Eine Arthritis ist auch immer eine Entzündung, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Wie kann man einer Arthritis vorbeugen? Was soll man bei Arthritis nicht essen? Naciye Arslanoglu gibt hier viele Tipps und stellt Ihnen zudem Hausmittel bei Arthritis vor.
Vorbeugen
Einer Arthritis kann man mit regelmäßiger Bewegung vorbeugen. Sanfte gelenkschonende Aktivitäten wie Fahrradfahren, Walking, Wandern, Skilanglauf, Schwimmen und Aquajogging sind geeignet. Patienten, die einen akuten Arthritis-Schub haben, sollten in dieser Phase keinen Sport machen. Übergewicht ist ein Risikofaktor für Arthritis. Es belastet auf Dauer die Gelenke und sollte daher vermieden werden. Wichtig ist auch, auf das Rauchen zu verzichten.
Tipps bei Arthritis
Ernährung umstellen: Bei Arthritis ist angeraten, bei der Ernährung auf Speisen zu verzichten, die Entzündungen begünstigen können – darunter Fastfood, Frittiertes und Fertiggerichte. Eine gesunde Alternative ist eine mediterrane Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Fisch, Olivenöl und frischen Kräutern. Auch Nüsse, Trockenobst und Getreideprodukte wie Hafer, Couscous und Vollkornreis unterstützen eine Ernährung, die bei Arthritis guttut. Halten Sie Ihren Säure-Basen-Haushalt in Balance.
Kälte gegen Entzündungen
Bei akuten entzündeten Gelenken helfen meist Kälteanwendungen wie kühle Quarkwickel.
Die Heilkraft des Ingwers
Ingwer kann dazu beitragen, Entzündungsreaktionen zu mildern und das Immunsystem zu unterstützen. Würzen Sie Speisen großzügig mit frischem Ingwer. Für einen Tee geben Sie 3 bis 4 Scheiben Ingwer in einen kleinen Topf mit kochendem Wasser und lassen ihn abgedeckt 15 Minuten köcheln. Trinken Sie täglich 2 bis 3 Tassen. Beachten Sie aber: Nicht dauerhaft anwenden, da Ingwer zum Beispiel Sodbrennen auslösen kann.
Kamillenwickel
Umschläge mit Kamillentee können gegen Arthritisschmerzen helfen. Überbrühen Sie 4 Beutel Kamillentee in einer Tasse mit heißem Wasser. Abdecken und 20 Minuten ziehen lassen. Ein Tuch mit dem Kamillensud tränken und um das schmerzende Gelenk wickeln. Vorsicht: Nicht anwenden, wenn Sie an einer Korbblütlerallergie leiden. Wenn Ihnen die Wärme Unwohlsein bereitet, nehmen Sie die Wickel sofort ab.
Arnika-Beinwellsalbe
Einreibungen mit Arnika- und Beinwellsalbe können an den betroffenen Gelenken zur Schmerzlinderung beitragen.
Wann zum Arzt?
Da es für Laien schwierig ist, allein anhand der Symptome zu entscheiden, ob sie an Arthritis, Arthrose oder etwas völlig anderem leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt konsultieren, wenn Ihre Gelenke steif, geschwollen oder gerötet sind. Das gilt auch, wenn die Gelenke länger als nur ein paar Tage schmerzen und dabei womöglich noch heiß werden und anschwellen. Wurde bei Ihnen bereits eine Arthritis oder Arthrose diagnostiziert, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen, sobald Sie eine untypische Schwellung bemerken.
Regelmäßige Bewegung hält nicht nur fit. Gelenkschonende Aktivitäten wie Fahrradfahren können auch einer Arthritis-Erkrankung vorbeugen.
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