Gicht: Wie Homöopathie die Beschwerden lindern kann
Autorin
Alexandra Kuhn
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Heilpraktikerin und Homöopathie-Expertin bei der Deutsche Homöopathie-Union (DHU), tätig im Team Medizin und Wissenschaft.
Mitten in der Nacht wacht Martin durch einen stechenden Schmerz in seinem großen Fußzeh auf. An Schlafen ist von da an nicht mehr zu denken. Als er immer öfter diese Beschwerden hat und der Zeh auch noch stark anschwillt, geht er zum Arzt. Die Diagnose ist: Gicht. Wir geben Ihnen hier die wichtigsten Infos zum Krankheitsbild Gicht, Behandlungsmöglichkeiten sowie wertvolle Expertentipps. Außerdem beantworten wir häufig gestellte Fragen, wie zum Beispiel: Was ist Gicht überhaupt? Ist Gicht vererbbar? Kann man Gicht auch homöopathisch behandeln?
Er kommt wie aus dem Nichts, zeigt sich gerne mitten in der Nacht und geht mit einem Schmerz wie von tausend Nadelstichen einher: Für Betroffene ist ein Gichtanfall eine äußerst unangenehme Erfahrung. Hinter dem Krankheitsbild Gicht verbirgt sich eine Stoffwechselerkrankung, die sich über Jahre schleichend entwickeln und plötzlich in Form von starken Gelenkschmerzen auftreten kann. In der Regel ist zunächst das Grundgelenk der Großzehe betroffen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können auch die Knie- oder Fingergelenke, Schleimbeutel, die Haut und die Nieren geschädigt werden.
Ein typisches Symptom bei Gicht sind starke Gelenk-Schmerzen. Sie treten oft bei anfallsartig in der Nacht auf.
Der Auslöser ist ein erhöhter Harnsäurespiegel, der zur Bildung winziger Kristalle führt, die sich vorrangig in den Gelenken ablagern. Während Gicht in früherer Zeit fast nur in der besseren Gesellschaft vorkam, ist sie heute vor allem in Industrienationen eine Volks- und Wohlstandskrankheit. Denn der Lebensstil, allen voran die Ernährung, kann Gicht befeuern. Frauen haben meist erst nach der Menopause damit zu tun, bei Männern zeigt sich Gicht mit einem Durchschnittsalter um die 40 Jahre deutlich früher.
Wie merke ich, dass ich Gicht habe? Was sind erste Anzeichen von Gicht? Folgende Symptome weisen auf die Stoffwechselstörung hin:
- In der Regel zeigt sich die Erkrankung zunächst am Grundgelenk eines großen Zehs – dieses kann plötzlich sehr schmerzhaft anschwellen. Daneben können die Fuß- und Sprunggelenke betroffen sein, auch Knie, Finger und Ellenbogen.
- Meistens tritt ein Gichtanfall nachts oder in den Morgenstunden auf.
- Das betroffene Gelenk ist extrem berührungsempfindlich, kann gerötet und überwärmt sein.
- Ein Gichtanfall kann einige Tage andauern. Nach dem Abschwellen ist ein Abschälen der Haut an den betroffenen Partien möglich.
- Symptome der Gicht können auch weißliche Knötchen auf der Haut sein. Sie sind Anzeichen für einen meist durch einseitige Ernährung bedingten, erhöhten Harnsäurespiegel.
- Im fortgeschrittenen Stadium und bei einer chronischen Gicht sind die Gelenke dauerhaft entzündet und können sich stark verformen.
Ein Anzeichen für Gicht ist ein rotes, schmerzhaftes, heißes und geschwollenes Gelenk. In etwa 50 Prozent der Fälle ist zuerst der große Zeh betroffen. Schuld daran sind Kristalle, die sich im Gelenk und Gewebe ablagern.
Was ist der Auslöser von Gicht? Bei dieser Stoffwechselstörung sind erhöhte Harnsäurewerte im Blut die Ursache für Gelenkentzündungen und starke Schmerzen.
Die Gicht wird durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut bedingt, dieser Zustand nennt sich auch „Hyperurikämie“. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Meist liegt, genetisch bedingt, eine Störung der Harnsäureausscheidung über die Nieren vor. Es kann aber auch medikamentös bedingt (Entwässerungstabletten) mehr Harnsäure entstehen.
Begünstigt wird Gicht durch Übergewicht, Bewegungsmangel und vor allem eine üppige, einseitige Ernährungsweise. Ein purin- und zuckerreicher Speiseplan – mit vielen Fleisch-, Fisch-, Hefeprodukten und Alkohol – kann zu einer erhöhten Harnsäurekonzentration im Blut führen, der von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden kann. Diese Harnsäure lagert sich dann in Form winziger Kristalle in Gelenken und Geweben ab und kann dort Entzündungen sowie Schmerzen auslösen. Weitere Auslöser für Gicht und die Ansammlung von zu viel Harnsäure im Körper kann eine Blutbildungsstörung sein, eine schlechte Flüssigkeitsversorgung der Gelenke oder die Einnahme bestimmter Medikamente, zum Beispiel Acetylsalicylsäure.
Dr. med. Anke Scheer
·
Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Zusatzbezeichnung Homöopathie, Nürnberg.
Wenn man erste Anzeichen einer Gicht bemerkt, ist es ratsam, den Hausarzt aufzusuchen und mit ihm offen und konkret über die Beschwerden zu sprechen.
Die Untersuchung
Zur Abklärung wird der Arzt nach der Anamnese (Erfassen der Vorgeschichte der Erkrankung) in der Regel eine Blutuntersuchung veranlassen.
Die Krankheit verläuft in vier Stufen: Im ersten Stadium zeigen sich noch keine Symptome, obwohl die Harnsäure-Werte im Blut erhöht sind. Im zweiten Stadium ist meist das Zehengrundgelenk gerötet und geschwollen. Das dritte Stadium ist die Zeit zwischen zwei Gichtanfällen. Im vierten Stadium sind knötchenartige Ablagerungen von Harnsäurekristallen im Gelenkbereich zu sehen.
Stadium 1 ist die asymptomatische Hyperurikämie, also die Erhöhung der Harnsäure im Blut ohne Symptome.
Stadium 2 ist der akute Gichtanfall (Gichtarthritis). Es zeigen sich Symptome einer rasch einsetzenden Entzündung eines Gelenkes (Rötung, Schwellung, Überwärmung, starke Schmerzen), häufig eines Großzehengrundgelenkes, aber auch anderer kleiner Gelenke an Händen oder Füßen, Knien oder Ellenbogen. Allgemeine Entzündungszeichen machen sich bemerkbar, wie beispielsweise Fieber. In der Blutuntersuchung zeigt sich eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und eine erhöhte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG, diese weist auf einen entzündlichen Prozess hin). Die Harnsäure im Blut ist während des akuten Anfalls oft nicht erhöht. Deshalb sollte der Wert nach 2-3 Wochen kontrolliert werden, um sicher zu gehen. Erst dann zeigt sich bei Erkrankung ein erhöhter Wert der Serum-Harnsäure (Hyperurikämie). Auch die Nierenfunktionswerte im Blut werden in der Regel kontrolliert. Meistens ist der Befund so eindeutig, dass auf speziellere Untersuchungen verzichtet werden kann. Gegebenenfalls können eine Gelenk-Sonographie und eine Röntgenuntersuchung erforderlich sein.
Stadium 3 ist das sogenannte „interkritische Stadium“, ein symptomloses Intervall zwischen zwei Gichtanfällen. Auch hier findet sich eine Erhöhung der Harnsäure im Blut.
Stadium 4 entspricht der chronischen Gicht. Diese Spätform entsteht, wenn in den frühen Stadien keine Behandlung erfolgt ist. Es kommt zu Tophusbildungen (knötchenartige Ablagerungen von Harnsäurekristallen) in Weichteilen wie Ohrmuschel, Ferse, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Auch können sie als Knochentophi im gelenknahen Knochen entstehen und dort die Zerstörung des Gelenkes bewirken. In den Nieren können sich Harnsäuresteine (Uratsteine) bilden. Auch kann es zu einer Entzündung des Nierengewebes (Uratnephropathie) kommen. Diese Befunde werden durch Blut- und Urinuntersuchungen, Sonographie der Nieren, Weichteile und Gelenke sowie Röntgen der gelenknahen Knochen erhoben.
Die Abgrenzung
Gibt es Erkrankungen, die einer Gicht ähnlich sind?
Abzugrenzen ist vom akuten Gichtanfall die bakterielle Entzündung eines Gelenkes (septische Arthritis). Andere chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen, wie rheumatische Erkrankungen, unterscheiden sich durch ein anderes Verteilungsmuster der betroffenen Gelenke. Eine aktivierte Arthrose des betroffenen Gelenks kann durch eine Röntgenuntersuchung oder Gelenksonographie unterschieden werden.
Wie lässt sich eine Gicht zu anderen Stoffwechsel-Erkrankungen abgrenzen und ist ihre Behandlung ähnlich?
Es gibt auch andere durch Kristalle hervorgerufene Gelenkentzündungen. Bei der Pseudogicht (Chondrokalzinose) lagern sich Calciumpyrophosphat-Dihydrat (CPPD)-Kristalle im Gelenkknorpel und in den Sehnen ab. Besonders häufig ist das Kniegelenk betroffen. Die Erkrankung kann im Röntgenbild festgestellt werden. Ursache ist ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut.
Ursache kann auch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse sein. In diesem Fall wird zunächst mit konservativen Mitteln (viel trinken, Calcium und Vitamin-D-Zufuhr) versucht, der Überfunktion entgegenzusteuern. Bringt das keine Linderung der Symptome, wird die Nebenschilddrüse entfernt. Die Krankheit kann auch genetisch bedingt sein. Dann erfolgt die Behandlung mit Medikamenten, die den Kalziumhaushalt ausgleichen.
Welchen Facharzt sollte ich als Patient mit Gicht aufsuchen?
Der Hausarzt stellt die Gicht-Diagnose und leitet die Therapie ein. In den meisten Fällen ist dies ausreichend. Falls eine andere Erkrankung die Gicht verursacht, wird der entsprechende Facharzt hinzugezogen. Bei Nierenerkrankungen beispielsweise der Nephrologe, bei Diabetes mellitus der Diabetologe.
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Der Verlauf - Wie sieht der übliche Verlauf einer Gicht-Behandlung aus?
Entsprechend den 4 Stadien der Gicht gibt es Patienten, bei denen eine erhöhte Harnsäure zum Beispiel im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt wird. Ziel der Behandlung ist es, den akuten Entzündungsschub zu beenden und den Harnsäurewert so weit zu senken, dass möglichst keine Gelenkentzündungen mehr auftreten. Dies erfolgt mit diätetischen Maßnahmen und Medikamenten. Damit kann oft die Krankheit stabil gehalten werden.
Die Prognose - Kann Gicht heilen?
Wenn die Ernährungsumstellung gut anschlägt und eingehalten wird, kann im Verlauf nach entsprechender Laborwertkontrolle das Medikament abgesetzt werden – etwa 6 Monate nach einem akuten Gichtanfall. Das Beibehalten der purinarmen Kost erfolgt aber dauerhaft.
Die Komplikationen - Welche Komplikationen können auftreten und lassen sich diese gut behandeln?
Komplikationen gibt es vor allem bei der unbehandelten Gicht, wenn sich die Harnsäurekristalle an Gelenken, den Weichteilen und Nieren ablagern. Gichttophi an Sehnenscheiden können zum Beispiel zum Karpaltunnelsyndrom führen. An Schleimbeuteln kann es zu Entzündungen kommen. Gelenke können zerstört werden. Nierensteine können Nierenkoliken und Harnwegsinfekte begünstigen. Eine Entzündung des Nierengewebes (interstitielle Nephritis) kann zu Bluthochdruck und Nierenversagen führen.
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Stefan Reis
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Stefan Reis praktiziert seit 1987 als Heilpraktiker mit eigener Praxis. Er ist von der Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ) zertifizierter Therapeut, Dozent und Supervisor. Sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen gibt er in seiner Homöopathieschule, in Seminaren und als (Mit-) Herausgeber von Fachliteratur weiter.
Gicht natürlich behandeln: Bei der homöopathischen Therapie müssen die individuellen Symptome eines jeden Krankheitsfalles genau betrachtet werden, um eine dazu passende Arznei verordnen zu können. Dabei spielen die subjektiven Beschwerden die größte Rolle, die seitens des Behandlers möglichst detailliert erfragt werden. Bitte bringen Sie zu Ihrem Termin auch ärztliche Untersuchungsergebnisse, Laborwerte und eine Auflistung der verordneten Medikamente mit.
Zudem ist die Beantwortung folgender Fragen wichtig:
Seit wann ist die Gicht bei Ihnen bekannt? Hatten Sie schon mal einen Gichtanfall? Falls ja: Wann war das, was war womöglich der Auslöser und welches Gelenk war betroffen? Wie war der Verlauf dieses Anfalls und wie wurde er behandelt?
Welche Körperstellen sind mittlerweile von der Gicht betroffen? Können bereits Veränderungen zum Beispiel an Gelenken festgestellt werden? Sind diese entzündet, geschwollen, gerötet, bewegungseingeschränkt und/oder schmerzhaft?
Bei Schmerzen beschreiben Sie bitte die Art: Handelt es sich um stechende, brennende, drückende, reißende oder pulsierende Schmerzen? Was bessert, was verschlimmert die Schmerzen? Denken Sie an den Einfluss von Druck, Bewegung, Reiben (Massage), Wärme oder Kälte, Nahrungs- und Genussmittel und sonstige Einwirkungen.
Darüber hinaus möchte der Homöopath erfahren, ob noch weitere Beschwerden mit der Gicht verbunden sind. Hierzu gehören Organsysteme, die mit der Krankheit auf den ersten Blick wenig zu tun haben, wie zum Beispiel ein gestörter Schlaf, veränderter Durst oder Appetit, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Hautleiden oder auch die psychische Verfassung.
Dazu kommen die objektiven Befunde, die man bei der Untersuchung erhebt. All dies zusammen ergibt das vollständige Krankheitsbild, anhand dessen der Homöopath eine passende Arznei auswählt. Nach dem Selbstverständnis der Homöopathie ist es Ziel der homöopathischen Behandlung, den erkrankten Organismus bei der Selbstheilung zu unterstützen und so die Beschwerden indirekt zu lindern.
Nutzen Sie unseren Selbstbeobachtungsbogen und vermerken Sie darauf schnell und einfach Ihre Beschwerden. So kann Ihr Gesundheitsexperte das individuell passende Mittel noch besser finden. Und Sie sind perfekt fürs Gespräch in der Apotheke, beim Arzt oder Heilpraktiker vorbereitet.
Dr. med. Anke Scheer
·
Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Zusatzbezeichnung Homöopathie, Nürnberg.
Wie kann Gicht geheilt werden?
Der akute Gichtanfall ist medikamentös behandelbar. Zum Einsatz kommen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Glukokortikosteroide und Colchicin. Die Besserung tritt in der Regel innerhalb von 1-3 Tagen ein. Hilfreich ist außerdem das Kühlen der betroffenen Gelenke.
Für die erfolgreiche Behandlung der Gicht ist eine Ernährungsumstellung unerlässlich. Entscheidend ist das Meiden von purin-haltigen Lebensmitteln.
Empfohlen wird daher eine gemüsehaltige, fleischarme und fettarme Mischkost. Milchprodukte und Kohlenhydrate sind bezüglich Purins unproblematisch. Sämtliche Gemüse und auch Hülsenfrüchte können verzehrt werden.
Was sollte man bei Gicht nicht essen und trinken?
Besonders viel Purin ist in Fleisch enthalten: Vor allem Wurst und Innereien sollen gemieden werden. Auch auf Makrelen und Sardinen sowie Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen und Hummer besser verzichten.
Hefe ist ebenfalls purin-reich. Deshalb sollten Brühwürfel, vegetarische Brotaufstriche und Bier gemieden werden.
Aber auch der generelle Alkoholgenuss sollte stark eingeschränkt werden.
Problematisch ist auch Fructose, da bei ihrer Verstoffwechselung ebenfalls Purin anfällt. Daher sollte zuckerreiches Obst wie Äpfel, Birnen, Weintrauben oder Orangen nur sehr begrenzt genossen werden. Aus dem gleichen Grund sollte man fructosereiche Fruchtsäfte, Smoothies und Limonaden meiden. Säuerliche Beerenfrüchte wie Erd-, Johannis- oder Himbeeren sowie Zitronen sind weniger bedenklich.
Kaffee, grüner Tee, Kräutertees und Mineralwasser können problemlos getrunken werden.
Generell sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mehr als 1,5l/Tag) geachtet werden. Dies hilft der Niere, die Harnsäure auszuscheiden.
Besteht ein Übergewicht, ist eine langsame Gewichtabnahme anzustreben, da beim Fasten viel Purin auf einmal aus den Körperzellen ins Blut gelangt und damit einen Gichtanfall auslösen kann.
Medikamente zur Dauerbehandlung werden nur bei symptomatischer Gicht gegeben. Die verschiedenen Substanzen greifen in den Harnsäurestoffwechsel ein. Sie verhindern die Entstehung von Harnsäure oder beschleunigen die Ausscheidung über die Nieren. Die Einstellung erfolgt durch den Hausarzt, der weiß, auf welche Wechselwirkungen und Kontraindikationen zu achten ist.
Wie lange dauert in der Regel die Behandlung der Gicht?
Die Behandlung besteht dauerhaft in Bezug auf die Diät. Nach einem akuten Gichtanfall wird für etwa sechs Monate ein harnsäuresenkendes Medikament gegeben. Nur wenn die Harnsäure immer wieder ansteigt und häufige Gichtanfälle auftreten, müssen über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft Medikamente eingenommen werden. Zu Beginn der harnsäuresenkenden Therapie sollte Allopurinol (Medikament zur Harnsäuresenkung) mit Colchicin kombiniert werden, da sich durch den Abfall der Harnsäurekonzentration alte Harnsäuretophi lösen und neue Gichtanfälle triggern können. Colchicin wirkt dem prophylaktisch entgegen, bis die Tophi aufgelöst und ausgeschieden sind.
Wie gehen Sie als homöopathische Ärztin an die Behandlung heran?
Die Anpassung der Lebensgewohnheiten mit Ernährungsumstellung, ausreichend Bewegung, Schlafregulation und Stressabbau ist die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung der Gicht. Der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann, legte großen Wert auf die Beseitigung krankheitsauslösender Lebensumstände wie Fehlernährung oder Bewegungsmangel. Andernfalls könnten diese als „Heilungshindernisse“ einer erfolgreichen Behandlung im Wege stehen.
In der Homöopathie sind die Symptome des Patienten wegweisend für die Auswahl des Arzneimittels. Während der Behandlung einer chronischen Krankheit wie der Gicht sind dies zum einen die Symptome der Gicht selber. Zum anderen werden alle anderen Symptome, die der Patient hat, erfasst und in die Bewertung einbezogen. Dies können Symptome anderer Erkrankungen sein. Auch Abweichungen in den vegetativen Funktionen wie Schlaf, Verdauung und Wärmehaushalt sind relevant. Betrachtet werden auch die Stimmungslage und Gemütssymptome wie Ängste oder Reizbarkeit. Mit all diesen Aspekten wird der Patient in seinem gesamten Lebensausdruck erfasst. Die Aufgabe des homöopathischen Behandlers ist es dann, diese Aspekte nach ihrer Relevanz in der Behandlung der Gicht zu gewichten und dann schlussendlich die Arznei zu bestimmen, die die größtmögliche Ähnlichkeit mit der Gesamtheit der Symptome des Patienten hat. Der Behandler entscheidet auch im Einzelfall über die Wirkstärke (Potenzstufe) der Arznei und die Häufigkeit der Einnahme. Ändern sich die Symptome im Verlauf der Behandlung, braucht es eventuell noch eine weitere Arznei. Der Behandlungszeitraum richtet sich danach, wie lange es dauert, bis die Symptome nicht mehr vorhanden sind und auch ohne weiter Arzneigabe nicht mehr auftreten.
Auf was muss der Patient mit einer Gicht besonders achten?
Im akuten Gichtanfall braucht das Gelenk Ruhe, damit die Entzündung ausheilen kann. Regelmäßige leichte Ausdauerbelastung wie der tägliche Spaziergang oder eine Walking-Runde helfen dem Stoffwechsel, aktiv zu bleiben und die Harnsäure abzutransportieren. Dabei reichen schon 30 Minuten täglich aus. Auch Alltagssituationen können sportlich genutzt werden: Treppen steigen statt Rolltreppe oder Fahrstuhl, kurze Wege zu Fuß zurücklegen, zum Beispiel eine Haltestelle früher aussteigen oder das Auto etwas weiter weg parken sind Möglichkeiten einer gesteigerten Alltagsmobilität, die sich positiv auf den Stoffwechsel auswirken. Falls schon Schäden an den Gelenken bestehen, wird das Training gelenkschonend angepasst.
Sowohl körperliche als auch psychische Überlastung können einen Gichtanfall auslösen. Ausreichender und regelmäßiger Schlaf und Entspannungsübungen unterstützen den Körper bei seiner Stoffwechselarbeit.
Welche Behandlungsmöglichkeiten könnten noch in Frage kommen?
Im akuten Gichtanfall können eine lokale Kälteanwendung mit einem Kühlkissen oder Quarkwickel Linderung bringen. In der Pflanzenheilkunde gibt es Substanzen, die für die Verbesserung des Harnsäurestoffwechsel oder der Ausscheidung über die Nieren eingesetzt werden.
Das für Sie individuell passende Mittel finden
In der Homöopathie wird die Mittelauswahl so genau wie möglich auf den individuellen Menschen und seine jeweilige Gesundheitssituation abgestimmt. Fundiert homöopathisch ausgebildete Fachkräfte beraten Sie optimal und können auch auf Möglichkeiten und Grenzen bei der Behandlung hinweisen.
Aufgrund der großen Bandbreite an homöopathischen Mitteln sowie der traditionellen, erfahrungserprobten Anwendungsgebiete der einzelnen Mittel (oft ein gutes Dutzend oder mehr) macht eine pauschale Nennung nur eines Mittels oder Anwendungsgebietes bei der entsprechenden Indikation wenig Sinn.
Nutzen Sie die Therapievielfalt und das Fachwissen Ihrer Gesundheitsexperten: Fragen Sie Ihre naturheilkundlich orientierte Ärztin, Ihren Heilpraktiker oder Ihren Apotheker nach der für Sie passenden Behandlung von Gicht mit Homöopathie!
Naciye Arslanoglu
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Naciye Arslanoglu ist Apothekerin und Expertin für Homöopathie und Naturheilkunde aus Nagold.
Bei der Gicht lagern sich Harnsäurekristalle ab, was Entzündungen hervorrufen und Gewebe zerstören kann. Ursache ist eine Stoffwechselstörung, die zu 90 % genetisch bedingt ist. Dennoch ist die Gicht auch mit dem metabolischen Syndrom und Diabetes mellitus assoziiert und somit durch den Lebensstil beeinflussbar. Insofern lässt sich durchaus schlussfolgern, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und dem Ernährungs- bzw. Lebensgewohnheiten einen Gichtanfall triggern kann.
Ein akuter Gichtanfall äußert sich oft mit starken Schmerzen am Zeh, verbunden mit Rötung, Schwellung und Wärmeentwicklung und kann anschließend weitere Gelenke befallen.
Vorbeugen
Gicht vorzubeugen ist möglich, indem wir unsere Ess- und Lebensgewohnheiten auf eine gesunde Basis stellen. Auf einen ausgewogenen Speiseplan gehören generell viel Gemüse und Milchprodukte, dafür weniger Fleisch, Innereien, Wurst und Fertigprodukte. Alkohol in Maßen und täglich ein bisschen Bewegung und wir haben schon viel getan, um unseren Körper zu unterstützen.
Tipps bei Gicht
Ernährungsumstellung: Die wichtigste Maßnahme nach einem ersten Gichtanfall ist eine nachhaltige Ernährungsumstellung. Setzen Sie auf purinarme Nahrungsmittel – sprich wenig oder gar kein Fleisch und Fisch, keine Fertiggerichte, keine hochkonzentrierten fruktosehaltigen Säfte oder Smoothies, dafür reichlich frisches Gemüse, Obst und Salate. Auch Alkohol sollte gestrichen werden.
Ausreichend trinken: Nehmen Sie über den Tag verteilt mindestens 2 Liter Wasser und Kräutertees zu sich, gut ist auch eine kleine Teekur mit Brennnesseltee, um ein Ausscheiden der Harnsäure zu fördern.
Basenkur: Nach einem Gichtanfall ist eine Basenkur empfehlenswert, um eine vorhandene Übersäuerung wieder auszugleichen. Daher eventuell zusätzlich zu einer gemüsebetonen Kosten noch Basenpulver oder -Tabletten einnehmen. Zudem sollte auch langfristig auf eine basenreiche Ernährung geachtet werden. Somit kann der Übersäuerung des Körpers entgegengewirkt werden.
Kälte oder Wärme: Generell kann man sagen: In der akuten Entzündungsphase ist eher Kälte hilfreich, zwischen den Entzündungen eher Wärme. Warmes Wasser beispielsweise entspannt Gelenke und Muskeln und wirkt so schmerzlindernd. Geben Sie zum Beispiel einen Badezusatz mit Kamillenblüten oder Heublumen in das Badewasser, da diese entzündungshemmend und antibakteriell wirken.
Nicht jeder aber empfindet Wärme als angenehm, das müssen Sie für sich ausprobieren. Wer eher auf Kälte positiv reagiert, kann zum Beispiel einen kalten Waschlappen oder kühlende Quarkwickel auf dem schmerzenden Gelenk auflegen. Letztere wirken durch die Inhaltsstoffe Kasein und Milchsäure zusätzlich entzündungshemmend.
Zur äußeren Anwendung auf den geschwollenen Gelenken können auch kühle Kompressen mit Wacholderöl eingesetzt werden.
Basische Nahrungsmittel wie zum Beispiel Blattsalate, Fenchel, Aubergine, Tomaten, Karotten, Ingwer und Zitronen wirken sich positiv bei Gicht aus, indem sie eine Übersäuerung des Körpers ausgleichen.
Wann zum Arzt?
Nach einem Gichtanfall sollte in jedem Fall der Hausarzt aufgesucht werden. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie notwendig, die Harnsäurewerte sollten regelmäßig überwacht werden.
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